Was der Eisvogel mit einem Karussell zu tun hat

von Sandra Julius

Eisvögel sind etwas Besonderes. Ihr Anblick zaubert regelmässig ein Lächeln der Entzückung auf die Gesichter derer, die den farbigen Vogel entdecken. Ihr schillerndes Federkleid hat schon zu mancher Sage inspiriert und sie werden gar «fliegende Edelsteine» genannt. Neben ihrer funkelnden Erscheinung halten sie noch weitere Besonderheiten bereit.

Eine ist ihre treffsichere und spektakuläre Fischjagd. Bei stillem und vor allem klaren Wasser liegt ihre Trefferquote nahe bei 100%. Geduldig beobachten sie das Wasser. Entdecken sie einen Fisch, justieren sie auf Millimeter genau die Position ihrer Beute, berücksichtigen dabei die Beugung des Lichts durch die Wasseroberfläche und tauchen mit grosser Geschwindigkeit und geöffneten Augen ins Wasser. Damit sie auch unter Wasser gut sehen können, haben Eisvögel eine Nickhaut, die beim Eintauchen über die Augen gezogen wird. Zwischen dem Eintauchen und dem Fang des Fisches verstreicht meist keine Sekunde und ebenso schnell wie der Eisvogel sich von seinem Ansitz kopfüber ins Wasser stürzt, sitzt er auch schon wieder dort – mit einem zappelnden Fisch im Schnabel.

Dieser wird, wie auf den Fotos gut erkennbar, mehrmals an den Ast geschlagen, um den Fisch zu betäuben, bevor er verschlungen wird.

Eine weitere Besonderheit der Eisvögel ist die Fütterung der Jungen. Sie füttern nicht – wie dies viele Vogelarten machen – hauptsächlich oder gar ausschliesslich die stärksten und gesündesten Vogeljungen, sondern teilen das Futter gerecht auf den gesamten Nachwuchs auf. Dazu sitzen die Jungen wie in einem Kreis, immer eines befindet sich am Ausgang der Neströhre. Nachdem es dort gefüttert wurde rücken alle Vogeljungen einmal nach bis das nächste Junge am Nestausgang Nahrung bekommt ­– diese Art der Fütterung wird auch Fütterungskarussell genannt.

Für ihr Überleben benötigen die Eisvögel ein reiches Vorkommen an Kleinfischen, klares, stilles oder langsam fliessendes Wasser und genügend Ansitze, wie Äste oder Schilf im Wasser oder am Ufer. Durch die Kanalisierung von Bächen und Flüssen und die Wasserverschmutzung sind sie stark bedroht.

Vom Hide der Naturstation Silberweide aus können momentan regelmässig drei Eisvögel beobachtet werden und auch im Wasser- und Zugvogelreservat Greifensee werden sie immer wieder gesichtet. Ein Besuch lohnt sich!

Fotos: fotofredi

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